Bereichsleiter Betriebstechnik Horst Graf in den Ruhestand verabschiedet

35 Jahre Vliesstofftechnik miterlebt, 35 Jahre bei Sandler

„Zur Entwicklung und Verbesserung von Produktionsverfahren […] suchen wir einen jungen, kreativen Konstrukteur […].“ Diese Stellenbeschreibung aus der Frankenpost weckte vor über 35 Jahren die Neugier von Horst Graf, damals beheimatet in Stuttgart. Der gebürtige Rehauer hatte nach seinem Studium an der Fachhochschule Coburg in der Fachrichtung Maschinenbau zunächst eine Stelle bei Mercedes angetreten, jedoch immer mit dem Hintergedanken, irgendwann nach Oberfranken zurückzukehren. Nun lockte in der alten Heimat das damalige Vliesstoffwerk Christian Heinrich Sandler GmbH & Co. KG., das zu dieser Zeit knapp 200 Mitarbeiter beschäftigte. „Ich bewarb mich bei insgesamt 5 Firmen in der Region,“ erinnert sich Horst Graf, „doch die Anzeige versprach sehr interessante Aufgaben.“ Es folgten ein erstes Telefonat mit dem späteren Vorgesetzten, Hermann Fraaß, und ein Vorstellungsgespräch mit Dipl.-Kfm. Christian Heinrich Sandler. Der Seniorchef beeindruckte Horst Graf und festigte seine Entscheidung, im Vliesstoffwerk einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.

Gesagt, getan: Wenig später fand Horst Graf sich bereits im Technologieentwicklungsgespräch bei Sandler wieder und konnte hier seine Maschinenbaukenntnisse zur Anwendung bringen. „Mir gefällt Ihre Art, Protokoll zu führen“, bemerkte Christian Heinrich Sandler während eines Gespräches. „Kommen Sie doch mit ins Baugespräch.“ Und so gehörten schnell auch Bauprojekte im wachsenden Unternehmen zu seinen Aufgabengebieten. Bereits 1981/82 war er am Bau des neuen „Werk 2A“ und der Ausstattung des Gebäudes mit Fertigungsanlagen beteiligt. „Entscheidungen wurden damals anders getroffen als heute“, erinnert sich Horst Graf. „Die Planung war eher hemdsärmelig, quasi aus der Hüfte geschossen“. Doch das Unternehmen wuchs weiter, die Planung wurde immer detaillierter und neue Verantwortungsbereiche warteten. 1983 wurde er zum Werkschutzbeauftragten benannt. Bereits ein Jahr später übernahm er die Funktion des Gruppenleiters für technische Planung, Werkschutz und Technologieentwicklung. „Auch die Personalverantwortung in der neuen Position war ein Lernprozess“, sagt Horst Graf. In die Führungsebene aufzusteigen, hatte er nicht geplant, doch 1985 folgte die Beförderung zum Abteilungsleiter Instandhaltung. 1987 erhielt er Gesamtprokura.

In den folgenden Jahren wurden neue Werksgebäude gebaut, neue Fertigungsanlagen angeschafft und Sandler wurde Schritt für Schritt zu einem der größten Vliesstoffhersteller weltweit „Die Größe der Gebäude und der Maschinen macht keinen Unterschied im Planungsaufwand. Es sind neue Vorschriften und Technologien, die neue Herausforderungen mit sich bringen“, fasst Horst Graf zusammen. Die sogenannte Vliesstoffstraße „VS30“, die 1993 die Produktion aufnahm, war für ihn eines der interessantesten Projekte. „Es gab viele Umsetzungsideen und es war eine sehr große Maschine, die mit wenig Personal voluminöse Vliese herstellt.“

1995 übernahm Horst Graf die stellvertretende Leitung des Bereichs Betriebstechnik und wurde im selben Jahr zum Managementvertreter Umweltschutz bestellt. Ende der 90er folgte ein weiteres Highlight mit einer Fertigungsanlage, die in Zusammenarbeit mit einem Kunden speziell für ein Produkt gebaut wurde. „Das war etwas Besonderes“, erinnert sich Horst Graf. „Hier habe ich zum ersten Mal erlebt, wie ein solches Projekt bei unseren großen Kunden angegangen wird.“

Im Jahr 2000 übernahm Horst Graf die Position des Bereichsleiters Betriebstechnik, nachdem sein Vorgänger in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Ich bin froh, mich damals für Sandler entschieden zu haben“, so Horst Graf. „Auch bei großen, herausfordernden Projekten herrschte immer positive Stimmung im Team.“ Und zu dieser Stimmung hat Horst Graf nicht zuletzt selbst beigetragen. Kollegen und Vorgesetzten als humorvoller Mensch bekannt, konnte er seine Mitarbeiter auch in schwierigen Situationen aufheitern und ging seine Aufgaben stets ruhig und mit Bedacht an. „Im Laufe der Jahre haben sich die Arbeitsweisen, die Technologien und die Anforderungen verändert. Es war ein ständiger Lernprozess, im Laufe dessen ich an meinen Aufgaben weiter gewachsen bin“, blickt Horst Graf zurück.

2015, zum Zeitpunkt seines offiziellen Renteneintritts, standen fast 130 der damals 650 Sandler Mitarbeiter unter seiner Leitung. Die Sandler AG hatte den Bau des neuen Werksgebäudes „Werk 5“ begonnen, das neue Verwaltungsgebäude nahm in Schwarzenbach Gestalt an und die Sandler AG bereitete die Expansion in die USA vor. Und mit dieser Vielzahl an großen Projekten wollte Horst Graf sein Team nicht allein lassen. „Natürlich will man seine Projekte zu Ende bringen“, sagt Horst Graf. „Aber es war mir auch wichtig mein Team zu unterstützen.“ Und so war der 01.07.2015 für ihn noch nicht der Zeitpunkt, Abschied zu nehmen. Ein weiteres Jahr war er in Teilzeit bei Sandler tätig und erlebte die Fertigstellung von Werk 5, den Aufbau einer neuen Produktionsanlage und den Einzug der Mitarbeiter in das neue Verwaltungsgebäude live mit. Seine Aufgaben sieht er bei Nachfolger Dipl.-Ing. (TU) Karsten Luderer in guten Händen: „Ich gehe beruhigt in den Ruhestand, aber ich werde meine Kollegen vermissen.“ Und dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit.

„Für die langjährige, konstruktive, loyale und tolle Zusammenarbeit möchte ich mich bei Ihnen bedanken“, wendete sich Vorstandsvorsitzender Dr. Christian Heinrich Sandler anlässlich einer Verabschiedungsfeier am 01. Juli an Horst Graf. „Und auch dafür, dass Sie nicht in der kritischen Phase unserer neuesten Investitionen ausscheiden, sondern diese Projekte fertigstellen wollten. Mit Ausnahme des Bürohauses 1 waren Sie an der Gestaltung des gesamten heutigen Werkes, der Produktionsanlagen, innerbetrieblicher Verkehrswege und Infrastruktur beteiligt. Es war nicht immer einfach, es gab auch Ärger mit Geschäftspartnern, aber wir haben unsere Ziele gemeinsam erreicht.“

Und für die Zukunft? Da stehen bei Horst Graf weiterhin neue Projekte ins Haus – diesmal jedoch im eigenen Haus und Hof. „Ich bin kein Mensch, der lange nichts tut.“ Und vielleicht findet er ja nun Zeit, sich einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: einen Oldtimer „aufzumöbeln“. Die langjährige Arbeitsstätte an der Lamitz ist sicher ein ideales Ziel für eine erste Spritztour.